Dresdener Autor Michael G. Fritz an der Abendrealschule Heilbronn

von Lothar Wallmann

„Ich spürte, wie mein Körper erstarrte, wie immer, wenn ich glaubte, verrückt zu werden. Ich hatte es schon oft befürchtet.“ Eben erst hatte Johanna, die Ich-Erzählerin, die unglaubliche Erfahrung machen müssen, dass ihr Mann André „fremdgeht“. Ausgerechnet sie, die mit den Augen von Überwachungskameras die Sicherheit auf einem Berliner Bahnhof gewährleisten soll, entdeckte dort eine ihr bisher unbekannte Nebenbuhlerin. Freilich, André hatte sich bisher ‚sicher‘ wähnen können, war sie doch erst kürzlich auf ihre neue Stelle umgesetzt worden. Treffsicher hatte Michael G. Fritz, in Berlin und Dresden lebender Autor zahlreicher Romane und Kurzgeschichten, zwei Gelenkstellen der Handlung von „Ein bißchen wie Gott“ ausgewählt, um die Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen I und II der Abendrealschule Heilbronn mit der Thematik Überwachung im privaten und öffentlichen Bereich zu konfrontieren, ihnen aber vor allem eine Entscheidung abzufordern. Lesen verlangt aufmerksame Zuhörer und der Autor weiß, wie die Geschichte endet, aber das macht ja den Reiz einer Lesung mit Schreibwerkstatt aus, weitere Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Gerade deshalb bietet Michael G. Fritz dafür das nach Katastrophe fiebernde Romankapitel mit der winterlichen Ballonfahrt über Dresden und das Elbtal an, das mit dem schrecklichen Tod einer der Hauptfiguren endet. Hier aber zeigt sich die Kreativität der Schülerinnen und Schüler, die in Gruppenarbeit alternative Romanschlüsse finden, akzeptiert und hochgelobt vom professionellen Schriftsteller. Mit einer weiteren Überraschung endeten Lesung und Schreibwerkstatt: Der Mitteldeutsche Verlag Halle stellte allen Projektteilnehmern ein Exemplar des Romans von Michael G. Fritz zur Verfügung, damit sie sich jetzt in entspannter Leselage alle zwanzig Kapitel lang „ein bißchen wie Gott“ fühlen mögen und den wirklichen Romanschluss kennen lernen können. Fazit: wieder eine besondere Begegnung mit Literatur - wie schon oft zuvor.

 

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