Die Abendrealschule Heilbronn - das Original

Der Realschulabschluss ist heutzutage Voraussetzung für viele berufliche Laufbahnen oder geht den darauf aufbauenden
Schularten voraus. Unsere seit 1963 bestehende Schule bietet die Möglichkeit, diesen Realschulabschluss im Abendunterricht zu erreichen.

Die Abendrealschule Heilbronn führt in zwei Jahren zum Realschulabschluss. Der Unterricht wird in den Räumen der Helene-Lange-Realschule in der Weststraße 33 erteilt. Diese Schule in der Nähe des Hauptbahnhofs ist gut mit der Stadtbahn erreichbar.

 

Neuigkeiten

Jugend in der DDR: Besuch von Freya Klier und Finissage der Ausstellung

Die Autorin, Schriftstellerin und DDR-Bürgerrechtlerin  Freya Klier besuchte die Abendrealschule Heilbronn und die Helene-Lange-Realschule Heilbronn, um Schülerinnen und Schülern einen bewegenden Einblick in das Leben von Jugendlichen in der DDR zu geben. Zunächst stellten die vortragenden Schüler dar, was sie sich anhand der Ausstellung „Auf Biegen und Brechen – Geschlossener Jugendwerkhof Torgau 1964 -1989“ erarbeitet hatten: Jugendliche, die sich nicht in das sozialistische Kollektiv einfügen wollten oder konnten, wurden mit psychischer und physischer  Brutalität  eingeschüchtert, gebrochen und umerzogen. Im Anschluss berichtete Freya Klier als Zeitzeugin von ihrer Zeit im Kinderheim der DDR, von der Verhaftung und dem Selbstmord ihres Bruders, nachdem er wegen politischen Widerstands in die Psychiatrie eingewiesen worden war, von Ihrem gescheiterten Fluchtversuch, dem Mordanschlag, den die Staatssicherheit der DDR auf sie verübte und ihrer Ausbürgerung nach Westdeutschland.  So wurde aus der Perspektive eines Kindes und Jugendlichen besonders deutlich, wie eine Diktatur in das Leben jedes Einzelnen eingreift. Weltweit gibt es zurzeit etwa 70 Diktaturen, so die abschließende  Mahnung Freya Kliers, sich für Demokratie und Bürgerrechte einzusetzen. MH. Fotos: Freya Klier bei der Finissage der Ausstellung „Auf Biegen und Brechen“.

Auf Biegen und Brechen - ARS Heilbronn zeigt ihren Schülern die Ausstellung der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau

Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau war offiziell die einzige geschlossene Disziplinierungseinrichtung für Jugendliche in der DDR. In der Zeit von 1964 bis 1989 wurden dort über 4000 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren eingewiesen, um bei ihnen einen „Umerziehungsprozess“ einzuleiten. Sie waren jedoch in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen weder negativ aufgefallen noch hatten sie Straftaten begangen. Richterliche Anordnungen für die Einweisungen waren ebenfalls nicht vorgesehen. Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill sollten eine Verhaltensänderung erzwingen mit dem Ziel, sich der „sozialistischen Lebensnorm“ unterzuordnen. Auf dreizehn Rollups dokumentiert die Ausstellung die Geschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau und den menschenunwürdigen Alltag der dort untergebrachten Jugendlichen. Die Abendrealschule Heilbronn befasst sich seit Jahrzehnten projektartig mit besonderen Aspekten der DDR-Diktatur. Für die Ausstellung hat die Klasse II c in fächerverbindender Weise die Vorbereitung und Ausrichtung übernommen und natürlich gemeinsam mit Realschullehrer Martin Heigold Grit Poppes Buch ‚Weggesperrt‘ gelesen. (tg) Fotos: Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau: 1, ARS HN: 2.

Abschlussprüfung an der Abendrealschule Heilbronn

Nahezu die Hälfte der Prüflinge mit Preis und Lob

Freude auf beiden Seiten. Sehr zufrieden gab sich der Prüfungskommissionsvorsitzende Norbert Walterham, 2. v. rechts, nach Abschluss der Mündlichen Prüfungen der Klassen II an der Abendrealschule Heilbronn. Gerne verwendet der erfahrene Pädagoge, der selbst seit Jahrzehnten im Rahmen des Zweiten Bildungsweges unterrichtet, für den Realschulabschluss den bildlichen Ausdruck vom wertvollen Türöffner für anspruchsvolle Berufe und Studiengänge.

Tieu Quanh Truong (2. v. links) konnte als jahrgangsbester Schülerin gratuliert werden, sie hatte auch den bestbewerteten Prüfungsaufsatz geschrieben. Auf Platz zwei und drei folgten Michael Conrad, im Bild ganz links und Simon Di Latte, ganz rechts, zugleich Fachpreisträger im Verbund Naturwissenschaftliches Arbeiten. Michael Conrad erzielte mit hervorragenden Leistungen gleich vier der vergebenen Sonderpreise, und zwar in den Fächern Deutsch, Englisch, EWG und Geschichte. Natürlich freuten sich auch die Schülerinnen und Schüler auf den weiteren Preisplätzen und jene, die „nur“ eine Belobigung als krönenden Lohn für ihre Leistung neben Beruf oder Haushalt erreichen konnten.

Jeweils im Herbst jeden Jahres beginnt an der Abendrealschule Heilbronn ein neuer Kurs zum Erwerb der Mittleren Reife. Anmeldungen nimmt das Sekretariat gerne entgegen.

Lesung in der Stadtbibliothek Stuttgart

Schülerinnen der Helene-Lange-Realschule und der Abendrealschule Heilbronn lasen im Rahmen der Buchpräsentation „Zwischentöne in Dur und Moll“ in der Stadtbibliothek Stuttgart aus ihren selbst verfassten Texten. Die Schülerinnen der Literatur-AG an der Hela stellten ihr Buchprojekt vor, in dem sich eine zunächst nicht näher beschriebene Hauptperson rückblickend an verschiedene Episoden ihres Lebens erinnert und sich dabei mit ganz unterschiedlichen Gefühlen in Form verschiedener Personen auseinandersetzt. Die wahre Identität des Protagonisten bleibt dabei zunächst unklar… Sarah Bauer von der Abendrealschule Heilbronn trug drei ihrer Gedichte vor, die sowohl in einem eigenen Gedichtband als auch in der Anthologie „Zwischentöne in Dur und Moll“, herausgegeben vom Förderkreis Kreatives Schreiben und Musik e.V., erschienen sind. Die Veranstaltung in der Stadtbibliothek Stuttgart bot in einer mehr als zweistündigen Darstellung ein breites Spektrum völlig verschiedener Texte junger Nachwuchsschriftstellerinnen und –schriftsteller, die zur Weiterarbeit anregen.

Zweifacher Anlass für eine Studienfahrt der Abendrealschule nach Berlin

Passend zum Jubiläumsjahr 2018 - vor 55 Jahren, am 8. April 1963 war die Schule gegründet worden - konnte auch das Langzeitprojekt der Abendrealschule Heilbronn ‚Von der Diktatur zur Demokratie‘ mit einer Studienfahrt nach Berlin abgeschlossen werden. Wie bei den vorhergehenden Aufenthalten in den anderen neuen Bundesländern wurden Erfahrungen aus dem Unrechtsstaat der DDR den politischen Beteiligungsmöglichkeiten in einer Demokratie gegenübergestellt.  Bei einer Führung durch das ehemalige StaSi-Gefängnis Hohenschönhausen und bei einer Lesung der Potsdamer Schriftstellerin Grit Poppe aus ihrem Buch ‚Weggesperrt‘ über die Jugenderinnerungen in der DDR wurde den Schülern deutlich, wie eine Diktatur in das Leben jedes Einzelnen eingreift. Auf der anderen Seite vermittelten ein Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Josip Juratovic und ein Besuch des Berliner Abgeordnetenhauses, welche Beteiligungsmöglichkeiten eine Demokratie für jeden Bürger bietet. Die beiden Fotos zeigen die ARS-Projektgruppe und das Abgeordnetenhaus in Berlin. MH.

Dresdener Autor Michael G. Fritz an der Abendrealschule Heilbronn

„Ich spürte, wie mein Körper erstarrte, wie immer, wenn ich glaubte, verrückt zu werden. Ich hatte es schon oft befürchtet.“ Eben erst hatte Johanna, die Ich-Erzählerin, die unglaubliche Erfahrung machen müssen, dass ihr Mann André „fremdgeht“. Ausgerechnet sie, die mit den Augen von Überwachungskameras die Sicherheit auf einem Berliner Bahnhof gewährleisten soll, entdeckte dort eine ihr bisher unbekannte Nebenbuhlerin. Freilich, André hatte sich bisher ‚sicher‘ wähnen können, war sie doch erst kürzlich auf ihre neue Stelle umgesetzt worden. Treffsicher hatte Michael G. Fritz, in Berlin und Dresden lebender Autor zahlreicher Romane und Kurzgeschichten, zwei Gelenkstellen der Handlung von „Ein bißchen wie Gott“ ausgewählt, um die Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen I und II der Abendrealschule Heilbronn mit der Thematik Überwachung im privaten und öffentlichen Bereich zu konfrontieren, ihnen aber vor allem eine Entscheidung abzufordern. Lesen verlangt aufmerksame Zuhörer und der Autor weiß, wie die Geschichte endet, aber das macht ja den Reiz einer Lesung mit Schreibwerkstatt aus, weitere Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Gerade deshalb bietet Michael G. Fritz dafür das nach Katastrophe fiebernde Romankapitel mit der winterlichen Ballonfahrt über Dresden und das Elbtal an, das mit dem schrecklichen Tod einer der Hauptfiguren endet. Hier aber zeigt sich die Kreativität der Schülerinnen und Schüler, die in Gruppenarbeit alternative Romanschlüsse finden, akzeptiert und hochgelobt vom professionellen Schriftsteller. Mit einer weiteren Überraschung endeten Lesung und Schreibwerkstatt: Der Mitteldeutsche Verlag Halle stellte allen Projektteilnehmern ein Exemplar des Romans von Michael G. Fritz zur Verfügung, damit sie sich jetzt in entspannter Leselage alle zwanzig Kapitel lang „ein bißchen wie Gott“ fühlen mögen und den wirklichen Romanschluss kennen lernen können. Fazit: wieder eine besondere Begegnung mit Literatur - wie schon oft zuvor.