Zum Alltag in einer Diktatur – Nadja Klier und Ingo Hasselbach zu Besuch an der ARS HN

von

„Wir wollten Spaß haben, das war, was alle Jugendlichen in der DDR wollten!“ So die Antwort auf viele spannende Fragen, die in dem besuchsvorbereitenden Film „Wir wolln Euch mal wat fragen!“ von Jugendlichen an Nadja Klier und Ingo Hasselbach gerichtet werden. Und dieser Tage konnten Schüler und Schülerinnen der Abendrealschule Heilbronn im Rahmen eines gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Stuttgart durchgeführten Projekts persönlich ihre Fragen zum Alltag in der untergegangenen DDR-Diktatur loswerden, ein System, das Angst vor der (eigenen) Bevölkerung hatte, und dessen Menschen immer „unter Kontrolle“ bleiben mussten, für die das Wort Freiheit eine leere Hülse war. Nadja Klier, Jahrgang 1973, ist in Ost-Berlin aufgewachsen. Wenige Tage nach ihrem 15. Geburtstag wird sie aus politischen Gründen mit ihrer Familie in den Westen ausgebürgert. Sie wollte gar nicht weg. Wie schafft sie es, den Verlust ihrer Heimat, der Freunde und gewachsener DDR-Strukturen zu verkraften? Ein Stück dieser ungewollten Entwurzelung verarbeitet sie, Tochter der Schriftstellerin und Regisseurin Freya Klier, Jahrzehnte später in ihrem Band „Wilde Jugend 1988“.

Dagegen ist Ingo Hasselbach, geboren 1967, in einer Familie aufgewachsen, der man DDR-Treue bescheinigen könnte, aber vielleicht gerade dadurch früh in Konflikte mit dem DDR-Staat geriet, weil die geforderte Anpassung an die Diktatur von ihm nicht zu erwarten war. Sich Scheuklappen aufzusetzen, Systemtreue zu heucheln, das war nicht sein Ding. Aber wie sehr man überwacht wurde, haben er und der einzelne Bürger zwar geahnt, aber oft nicht mitbekommen. Und Ingo Hasselbach wollte unbedingt weg, denn seine Forderung, die Mauer müsse fallen, war für die DDR nicht akzeptabel, sondern kriminell. 1985 erstmals zu einigen Monaten Haft verurteilt, folgten nach versuchter Republikflucht gleich mehrere Jahre Zuchthausaufenthalt. In den Haftanstalten kam es dann zu Kontakten mit rechtsextremen Mithäftlingen, der bewusst gewollte Ausstieg aus dieser Szene erfolgte erst 1992. „Die Erinnerung an die Jugendzeit in einer Diktatur verursacht manchmal richtig Schmerzen“, so fasst es Nadja Klier auf die vielen tiefgehenden Schülerfragen zusammen, „aber die Antworten sollen helfen, die Welt besser zu verstehen, dann ist unsere Botschaft angekommen.“ tg

 

Zurück